Ramlinger Lebensretter

Schiedsrichter Maurice Gerber wird Stammzellenspender
Artikel vom 18. Februar 2026
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Bei einem Fußballturnier seines Vereins SV Ramlingen-Ehlershausen lässt sich Maurice Gerber (22) für eine mögliche Stammzellenspende typisieren. Bereits drei Monate später erhält er einen Anruf, der sein Leben auf den Kopf stellt.
Das Telefon vibriert. Eine unbekannte Nummer ruft an.
Viele Menschen lehnen instinktiv ab, oder geben die Rufnummer erst einmal in eine Suchmaschine ein. Nicht so Maurice Gerber (22). Gerber nahm jenen Anruf, der sein Leben für kurze Zeit durchwirbelte, entgegen. „Ich war erst einmal überrascht und habe dann alles stehen und liegen gelassen und mich sofort bei meinen Eltern und meinem Zwillingsbruder gemeldet“, verrät Gerber.
Auf der anderen Seite der Leitung war die Medizinische Hochschule Hannover (MHH). Mit einer ganz besonderen Nachricht: Gerber kommt als Stammzellenspender für einen an Leukämie (Blutkrebs) erkrankten Patienten infrage.
Drei Monate zuvor hatte das Norddeutsche Knochenmark- und Stammzellspender-Register (NKR) beim Gilde-Cup in Ramlingen dazu aufgerufen, sich typisieren zu lassen. Typisieren bedeutet: das Abgeben einer Speichelprobe und die Registrierung als möglicher Stammzellenspender im System.
Gerber ist Vorstandsmitglied und Schiedsrichter des SV Ramlingen-Ehlershausen. „Nachdem wir im Vorstand angefangen haben, diese Aktion zu planen, war für mich direkt klar: Ich werde mich typisieren lassen“, sagt er.
Pro Jahr erkranken weltweit etwa eine halbe Million Menschen an Leukämie. Für rund 320.000 endet es tödlich. Erkrankte sind auf Menschen wie Maurice Gerber angewiesen.
Den Anruf nach drei Monaten zu erhalten, ist extrem ungewöhnlich. „Im ersten Moment war ich erst mal sehr überrascht. Weil es dann doch sehr schnell ging, dass ich ein Match war“, sagt Gerber. Manche Spender und Spenderinnen sind erst Jahrzehnte im System, bevor sie als mögliche Lebensretterinnen und Retter infrage kommen. Dafür müssen, vereinfacht gesagt, das Immunsystem der erkrankten Person und das des potenziellen Spenders exakt übereinstimmen.
Sportliche Spender besonders wertvoll
Auf dem Neujahrsempfang des NKR erklärte Geschäftsführer Stefan Schmaus, dass die Organisation gezielt die Zusammenarbeit mit Sportvereinen suche. „Wir sind auf gesunde, junge Menschen als Spenderinnen und Spender angewiesen“, sagt Schmaus. Als Problem für fehlende Typisierung nannte Schmaus hauptsächlich mangelnde Aufklärung. „Ich hatte selbst keine Berührungspunkte mit dem Thema und kann nach meiner Recherche sagen: Das ist wirklich eine sehr gute Sache“, erzählt Gerber.
„Meine Nachforschungen haben meine Entscheidung, mich typisieren zu lassen, nur noch gefestigt.“ Das NKR arbeitet künftig auch mit Konzerten in der ZAG-Arena und den Handballern der TSV Hannover-Burgdorf zusammen. Bei den Veranstaltungen und Sportevents haben Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit, sich typisieren zu lassen. Im Jahr 2025 verzeichnete das NKR einen neuen Rekord: Rund 3300 neue Spenderinnen und Spender konnten typisiert werden.
Grundsätzlich existieren zwei Versionen, Stammzellen zu spenden. Zum einen eine Knochenmarkspende – nicht zu verwechseln mit einer Rückenmarkspende. Dazu werden in einer kleinen Operation Stammzellen aus dem unteren Rückenbereich entnommen. Diese Variante ist aber eher selten. Viel häufiger werden die Spenderinnen und Spender ambulant an eine Zentrifuge angeschlossen. Innerhalb weniger Stunden werden die Stammzellen aus dem Blut gefiltert.
Aufregung: Ja! Angst: Nein!
Welche Variante auf Gerber wartet, ist noch nicht klar. „Ein bisschen Aufregung ist mit dabei, ich weiß ja nicht genau, wie es passiert“, sagt er. „Aber Angst habe ich nicht. Beide Varianten sind sehr risikoarm.“
„Zu sehen, was durch eine Stammzellenspende bewirkt werden kann, motiviert mich nur noch mehr, das durchzuziehen. Das ist eine großartige Sache“, sagt er. „Ich bin extrem froh und glücklich, dass ich einem Menschen das Leben retten kann.“
Quelle: HAZ-Robin Prottung-28.01.2026





